Deshalb leidest du auch so viel.
"Eigentlich musst du immer schwarze Haare haben. Wenn du auf dem Foto und dann in Wirklichkeit blond.."
-"Ich muss gar nichts."
"Ach so."
Hör auf, es zu ertragen.
Winterpelz, Winterpelz.
Ach, du schöner Winterpelz.
Des Pelzens Winter. Hach, der Pelz.
Pelz, Schmelz, Seelenwelt.
Der Seelen Welt. Wie Geld,
die Welt.
Seele, Welt und Pelz,
hach Pelz! hach Pelz!
Der Welten Geld.
Geld Welt Seelenpelz.
Pelzens Seele, Geld, ach Welt.
Das Schreiben über Winters Welt.
Des Pelzens Geld. Der Welten Welt.
Wenn du gelten willst: trag Pelz!
Welten, ach, der Pelzen Welt.
Identität der Pelzen Welt.
Pelzens Welt, des Lebens Held.
Pelz’ne Welt, oh Held der Welt!
Identität, die krachend dazwischen.
Verlustreich aus der heilen Welt.
Identität ist doch immer das, was drinnen ist. Oder?
Innen drin und außen ’rum.
Und überhaupt: Alles ist Identität.
,,Identität heißt Sein und Wollen. Reines Sein und manchmal auch ein bisschen Wollen.’’
Sein oder nicht sein? Auch das ist Identität, in Frage gestellt.
Fades Abstreifen, wie den pelzigen Flausch des Winters.
,,Denn Winterpelz muss weichen, wenn der brütende Sommer naht.’’
Das ist so. Und das wird auch immer so bleiben.
Frühling. Die ersten Sonnenstrahlen erhellen das Zimmer. Er sitzt mit dem Rücken zur Wand in der Ecke. Die Rauchschwaden der Zigarette ziehen durch den Raum. Gut sichtbar. Es ist früh am Morgen. Er hat seine Identität verloren. Gestern. Wie die Tiere um diese Jahreszeit ihren Winterpelz. Er war bei der Polizei wegen des Mannes, der ihn seit Wochen verfolgte. Wollte Anzeige erstatten. Er existiere nicht in der Datenbank. Muss wohl jemand gelöscht haben, meinte er. Der Polizist sah ihn mit leerem Blick an. Er erhebt sich, geht zum Fenster. Auf dem Balkon gegenüber sitzt eine Katze. Mit schützendem Winterpelz.
Identitätsverlust bei Schafen,
lässt uns in Wonnewolle schlafen.
Im Frühjahr wird das Fell geschoren,
nur dazu dieses Tier erkoren.
Identitätsverlust bei Hermelinen,
sollte oft dem König dienen.
Ein Mantel rot mit Saum weiß grell,
die Schwänzchen schwarz beim Winterfell.
Identitätsverlust beim Pfau,
geht spielend einfach – Ferderklau!
Man reißt die Federn aus der Haut,
ein schicker Hut sich so erbaut.
Eichhorn, Maus und and’re Nager,
sind ohne Winterpelz recht mager.
Haarausfall, ein Riesenfrust
- Identitätsverlust.
Die Katze, die um Häuser streunt
bevor sich in der Sonne bräunt,
wechselt in ihr Sommerfell
- Identitätsverlust geht schnell.
Die Elefantenhaut grau-hell
ist ein Ganzjahrwetterfell.
Ob Sommer- oder Winterland,
Ein Elefant bleibt Elefant.

An Tagen wie diesen wünschte ich mir einen Winterpelz, einen Pelz der mich umschließt und warm hält. Es ist so verdammt kalt hier. Und jetzt fängt es auch noch an zu schneien. Meine Jacke ist zu leicht für dieses Klima. Ich stapfe durch schneebedeckte Straßen und begegne fremden, kalten Gesichtern. Grauen Gesichter, die niemals lächeln. Sie schauen mich geradezu vorwurfsvoll an als wollten sie fragen: „Was tust du hier?“ Das weiß ich selbst nicht. Von allen Städten der Welt ausgerechnet diese! Nein, ich gehöre nicht hierher. Ich wünschte ich hätte einen Winterpelz.
Außen.
Erstarrung…
…in Eis…und
…gläserner Kälte,
Bewegungslosigkeit,
Stille.
Stille
Kein Laut.
Kalt
…Wem?
Wem ist kalt?
Wer ist das, der da empfindet, der da murmelt in seinem Winterpelz und sich einrollt und sich trotz wohliger Wärme am alleinsten fühlt, am einsamsten auf der ganzen Welt, der nicht einmal sich selbst mehr hat, weil er nicht weiß, weil er vergessen hat, weil…
Vielleicht träumt es nur?
Vielleicht schläft es, vielleicht ist es tot, nur für ein Weilchen, vielleicht in der Schwebe den Welten enthoben, zwischen den Ästen schimmert der Grabstein „Den Toten der beiden Welten“, sagt er, es blinzelt, eine weiße Lilie blüht auf ihm, vielleicht ists gar nicht tot, vielleicht schläfts nur.
Vielleicht schläfts nur, vielleicht weiß es drum nichts von sich selbst, vielleicht ists nicht der Pelz und der Winter, vielleicht denkt es das bloß!
Vielleicht ist es mit der Schöpfung von Universen betraut, während wir es schlafen wähnen; als mächtiger Weltenschöpfer thront es über allen Dingen in
S e l b s t a
u f l ö s
u n
g