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Donnerstag, 31. Mai 2007

winterpelz: Ein altes Thema

"Besser kann ich mir nicht vorstellen."
Deshalb leidest du auch so viel.

"Eigentlich musst du immer schwarze Haare haben. Wenn du auf dem Foto und dann in Wirklichkeit blond.."
-"Ich muss gar nichts."
"Ach so."

Niemand und nichts von alldem. Ein altes Thema. Hier ist kalt. Du musst bestehen. Du musst alles überwinden.
Hör auf, es zu ertragen.

Montag, 21. Mai 2007

winterpelz: klang.

Winterpelz, Winterpelz.

Ach, du schöner Winterpelz.

Des Pelzens Winter. Hach, der Pelz.

Pelz, Schmelz, Seelenwelt.

Der Seelen Welt. Wie Geld,

die Welt.

Seele, Welt und Pelz,

hach Pelz! hach Pelz!

Der Welten Geld.

Geld Welt Seelenpelz.

Pelzens Seele, Geld, ach Welt.

Das Schreiben über Winters Welt.

Des Pelzens Geld. Der Welten Welt.

Wenn du gelten willst: trag Pelz!

Welten, ach, der Pelzen Welt.

Identität der Pelzen Welt.

Pelzens Welt, des Lebens Held.

Pelz’ne Welt, oh Held der Welt!

Identität, die krachend dazwischen.

Verlustreich aus der heilen Welt.

winterpelz: identisch.

I- DEN- TI- TÄT.

Identität ist doch immer das, was drinnen ist. Oder?

Innen drin und außen ’rum.

Und überhaupt: Alles ist Identität.

,,Identität heißt Sein und Wollen. Reines Sein und manchmal auch ein bisschen Wollen.’’

Sein oder nicht sein? Auch das ist Identität, in Frage gestellt.

Fades Abstreifen, wie den pelzigen Flausch des Winters.

,,Denn Winterpelz muss weichen, wenn der brütende Sommer naht.’’

Das ist so. Und das wird auch immer so bleiben.

winterpelz: gelöscht

Frühling. Die ersten Sonnenstrahlen erhellen das Zimmer. Er sitzt mit dem Rücken zur Wand in der Ecke. Die Rauchschwaden der Zigarette ziehen durch den Raum. Gut sichtbar. Es ist früh am Morgen. Er hat seine Identität verloren. Gestern. Wie die Tiere um diese Jahreszeit ihren Winterpelz. Er war bei der Polizei wegen des Mannes, der ihn seit Wochen verfolgte. Wollte Anzeige erstatten. Er existiere nicht in der Datenbank. Muss wohl jemand gelöscht haben, meinte er. Der Polizist sah ihn mit leerem Blick an. Er erhebt sich, geht zum Fenster. Auf dem Balkon gegenüber sitzt eine Katze. Mit schützendem Winterpelz.

winterpelz: fließend

was um himmels willen macht die liebe mit identitäten? tage des sich-auflösens, des ineinanderfließens. unbeabsichtigte zerstörungsprozesse. neulich gelesen in k.’s theaterstück: „du sollst niemals an mir zu leiden haben.“ der versuch, den anderen so zu lassen, wie er ist. gut gemeinte täter- und opfergeschichten, rührend in ihrem redlichen streben nach aufrichtigkeit. und kleinliche abgrenzungsversuche.
„warum rauchst du nicht eine mit?“
„das bin ich nicht bei dir.“

nach hermann bahr und ernst mach glaube ich, mein unbehagen beim anblick tiefdunkler tannenwälder zu verstehen. ich weiß nicht, was ich dann sehe. bin ich ein teil der schwarzblauen nadeln, dieser stämme und dieser erdigkeit oder sind sie ein teil von mir, in jedem fall fließen wir. es hilft dann nur weißer winterpelz auf den nadeln. der hält das fließen auf.

winterpelz: laufsteg

Der beste Platz für Schaulauflustige Großhauptstädter zur Frühlings-, Sommer-, Herbst-, und Winterzeit ist die Cast (ing) anienallee. Je nach Wetterlage sollte man sich dafür entsprechend aufhübschen, denn potentielle (Pop)-Agenten warten an jeder Ecke. Mit Winterpelz-Ponyfell ist man auf jeden Fall ganz vorne mit dabei, auch im Sommer. Mit Winterspeck lieber erstmal zuhause bleiben. Immer im Hinterkopf behalten: Grau ist ja das neue Schwarz im diesjährigen Modeherbst. Nie ohne Stoffbeutel über der Schulter das Haus verlassen. Zur Not mit pseudointellektueller Lektüre und Moleskine-Notizblock auffüllen. Und stets aufpassen, dass der Pony sitzt - auch wenn man einen sitzen hat.
[Identitätsverlust nicht ausgeschlossen]

winterpelz: federn lassen

Identitätsverlust bei Schafen,
lässt uns in Wonnewolle schlafen.
Im Frühjahr wird das Fell geschoren,
nur dazu dieses Tier erkoren.

Identitätsverlust bei Hermelinen,
sollte oft dem König dienen.
Ein Mantel rot mit Saum weiß grell,
die Schwänzchen schwarz beim Winterfell.

Identitätsverlust beim Pfau,
geht spielend einfach – Ferderklau!
Man reißt die Federn aus der Haut,
ein schicker Hut sich so erbaut.

Eichhorn, Maus und and’re Nager,
sind ohne Winterpelz recht mager.
Haarausfall, ein Riesenfrust
- Identitätsverlust.

Die Katze, die um Häuser streunt
bevor sich in der Sonne bräunt,
wechselt in ihr Sommerfell
- Identitätsverlust geht schnell.

Die Elefantenhaut grau-hell
ist ein Ganzjahrwetterfell.
Ob Sommer- oder Winterland,
Ein Elefant bleibt Elefant.

winterpelz: pelztierhaltung




Identität ist die Gewissheit, dass der Mensch „er selbst ist“. Definiert wird das „Selbst“ durch die Wiedererkennung der eigenen Person im Handeln und der äußeren Erscheinung. Ebenso beinhaltet Identität die Eigendefinierung in allen Lebensbereichen (Beruf, Freunde…) Als wichtige Identitätseckpunkte werden in der westlichen Welt vor allem eine erfolgreiche berufliche Karriere, harmonischer Familienzusammenhalt, großer Freundeskreis, Gesundheit, sportliche Aktivität und Reichtum gekennzeichnet. Starke Veränderungen in der Umwelt können das gesellschaftliche und persönliche Identitätsgefühl stark erschüttern. Mit Identitätsverlust als die Isolierung von einzelnen oder mehreren Lebensbereichen von den Betroffenen empfunden. Beim eintreten des Krankheitsbildes mit den Symptomen (Lustlosigkeit, Appetitlosigkeit, Depressionen, Aggressivität, Suizidgedanken, Apathie, Müdigkeit, gesteigerter Erregungszustand, Nervosität, ist eine psychologische und/oder therapeutische Therapie angezeigt.
„Pelztierzucht ist seit Jahren in vielen Länder verboten. Trotzdem werden weltweit jährlich über 50 Millionen Tiere ihres Winterfelles wegen getötet. Waschbären ebenso wie Kaninchen, Nerze oder Füchse leben monatelang in kleinen Drahtgitterkäfigen. Weder natürliche Instinkte, als auch das soziale Kontaktbedürfnis kann ausgelebt werden.
Die Haltung wird unter wirtschaftlichen Aspekten organisiert. Verunreinigungen der Käfige, Erkrankungen und Missbildungen werden nur im Zusammenhang der „Werterhaltung“ des Felles berücksichtig.


winterpelz: vermisst

An Tagen wie diesen wünschte ich mir einen Winterpelz, einen Pelz der mich umschließt und warm hält. Es ist so verdammt kalt hier. Und jetzt fängt es auch noch an zu schneien. Meine Jacke ist zu leicht für dieses Klima. Ich stapfe durch schneebedeckte Straßen und begegne fremden, kalten Gesichtern. Grauen Gesichter, die niemals lächeln. Sie schauen mich geradezu vorwurfsvoll an als wollten sie fragen: „Was tust du hier?“ Das weiß ich selbst nicht. Von allen Städten der Welt ausgerechnet diese! Nein, ich gehöre nicht hierher. Ich wünschte ich hätte einen Winterpelz.

winterpelz: frostgötter

Außen.

Erstarrung…

…in Eis…und

…gläserner Kälte,

Bewegungslosigkeit,

Stille.

Stille

Kein Laut.

Kalt

…Wem?

Wem ist kalt?

Wer ist das, der da empfindet, der da murmelt in seinem Winterpelz und sich einrollt und sich trotz wohliger Wärme am alleinsten fühlt, am einsamsten auf der ganzen Welt, der nicht einmal sich selbst mehr hat, weil er nicht weiß, weil er vergessen hat, weil…

Vielleicht träumt es nur?

Vielleicht schläft es, vielleicht ist es tot, nur für ein Weilchen, vielleicht in der Schwebe den Welten enthoben, zwischen den Ästen schimmert der Grabstein „Den Toten der beiden Welten“, sagt er, es blinzelt, eine weiße Lilie blüht auf ihm, vielleicht ists gar nicht tot, vielleicht schläfts nur.

Vielleicht schläfts nur, vielleicht weiß es drum nichts von sich selbst, vielleicht ists nicht der Pelz und der Winter, vielleicht denkt es das bloß!

Vielleicht ist es mit der Schöpfung von Universen betraut, während wir es schlafen wähnen; als mächtiger Weltenschöpfer thront es über allen Dingen in

S e l b s t a

u f l ö s

u n

g

winterpelz: drei worte

„Wer bin ich“? Drei Worte kriechen langsam über ihre aufgerissenen Lippen, dem Spiegel entgegen, in den sie hineinblickt, ohne sich zu sehen. Draußen der Frost. Er zieht durch die Fenster, die nicht dicht sind. Sie lassen alles hinein, den Lärm der Autos, Kindergeschrei, den Wind und manchmal den Regen. Vor einem halben Jahr hat sie eine Anzeige bei der Zeitung aufgeben: „Wohnung gesucht“. Ist zum Schalter gegangen, hat die Anzeige notiert: eineinhalb Zimmer gesucht, in ruhiger Lage mit Fahrradabstellmöglichkeit.“ Die Zeitungsfrau hat aufgeblickt und sie angesehen, hat gesagt: „Sie sollten noch etwas über ihre Person sagen, sonst ruft niemand an“. Sie hat gezögert, auf den gekachelten Boden zwischen ihren Schuhen geschaut. Sie hat ihre Telefonnummer diktiert und dann ihren Namen
W I N T E R P E L Z, zwei Mal.